Tipps Tomatenanbau

ANBAUANLEITUNG FÜR TOMATEN

Ich gebe hier keine Schritt für Schritt Anbauanleitung vom Korn bis zur Frucht, sondern nenne die aus meiner Sicht wichtigsten Faktoren und Maßnahmen für eine erfolgreiche Kulturführung.

Tomaten Aussaat
Die Aussaat erfolgt ab Mitte bis Ende März in nährstoffarme feinkrümelige Anzuchterde bei 25°C Anzuchttemperatur. Einige Tomatensorten keimen bereits ab 20°C, viele ab 22°C und manche erste ab 24°C. Bei 25°C ist sichergestellt, dass wirklich jedes gesunde Tomatenkorn zur Keimung kommen sollte. Vorausgesetzt das Anzuchtsubstrat war immer gleichmäßig feucht. Geraten gekeimte Samen nur kurze Zeit in Trockenstress, kommt jede Hilfe zu spät! Für die gesamte Anzucht gilt: Gewissenhaft und regel-mäßig wässern. Die gesamte Anzucht sollte möglichst hell verlaufen. Auch Südfensterbänke geben nur einseitiges Licht und führen zu langhalsigen Pflanzen. Wer kein warmen Wintergarten oder Gewächshaus hat kann künstlich Beleuchten. Inzwischen gibt es leuchtstarke LED-Lampen, die energieeffiziente Abhilfe schaffen. Bei Hobbygärtner haben sich diese oder ähnliche Birnen bewährt:  

Tomaten Pikieren
Pikiert wird nachdem sich das erste Blatt (nach den zwei Keimblättern) voll entfaltet hat und das zweite Blatt schon gut zu erkennen ist. Bevor man das Pflänzchen in sein erstes Töpfchen pikiert, kann man den längsten Wurzelstrang etwas zurückkürzen (vorsichtig mit den Fingernägeln ausknipsen). Dadurch wird eine kompakte und verzweigte Wurzelentwicklung angeregt, die der Anzucht in Töpfen entgegen kommt. Denn natürlicherweise schickt eine junge Tomatenpflanze sofort lange Explorerwurzeln in die Tiefe Richtung Wasser und bringt hierfür auch einiges an Energie auf. Gelangen diese langen Erkunderwurzeln zum Topfboden, beginnen sie im Kreis zu wachsen und sich zu verflechten. Das kann dazu führen, dass die stark verschlungenen Wurzelballen sich nach der Pflanzung nur schwer und langsam entflechten und das Anwachsen der Pflanze so sehr lange dauert. Fehler in der Kulturführung, die zu Verzögerungen in der Pflanzenentwicklung führen, können die meisten Gemüsepflanzen im Laufe ihres Lebenszyklus nicht wieder aufholen.

Tomaten Topfen
Zweimal Topfen während der Anzucht macht stärkere Pflanzen und mehr Tomaten. Beim Pikieren werden die Pflänzchen in den ersten Topf (4-6cm Durchmesser) umgesetzt. Dabei noch einmal nährstoffarme Erden verwenden. Wenn das Substrat ganzheitlich durchwurzelt ist (nach etwa 10 Tagen), wird ein zweites Mal getopft. Dabei die Pflanze etwas tiefer topfen (zw. Keimblätter und erstem Hauptblatt). Dadurch beginnt die Tomatenpflanze am Stiel unter der Erde zusätzliche Wurzeln auszubilden. Je größer der Wurzelballen einer Pflanze desto vitaler ist sie. Die bisher gut aufgezogene Jungpflanze will jetzt wachsen und dazu braucht sie Nährstoffe. Dazu wird jetzt gewöhnliche Pflanzen- oder Gartenerde mit gut verrottetem Pferdemist oder Gartenkompost aufgemischt. Etwa im Verhältnis 2 Erde, 1 Mist/Kompost. Vorsicht: Weniger ist mehr! Zu viele Nährstoffe wirken sich negativ auf die Entwicklung der Jungpflanze aus.

Tomaten Pflanzung
Gepflanzt wird in tiefgründig gelockerte Erde, die mit verrottetem Stallmist und/oder Kompost aufgedüngt wird. Zusätzlich kann man Holzasche von unbehandeltem Holz in die Erde einmischen. Sie liefert vor allem Kalium und wichtige Spurenelement wie Eisen, Kalzium und Phosphat. Die Tomatenpflanze wird tief bis zum ersten Hauptblatt eingepflanzt, so dass der komplette Stiel im Erdreich verschwindet. Die Tomate bildet am verborgenen Teil ihres Stammes neue Adventivwurzeln und entwickelt so einen noch mächtigeren Wurzelballen.

Tomaten Düngung
Sowohl bei Beet- als auch Kübelpflanzungen ist eine zusätzliche wöchentliche Versorgung mit Flüssigdünger sinnvoll. In unserer Gärtnerei verzichten wir komplett auf synthetische Düngeprodukte und nutzen, was uns die Natur zu Verfügung stellt. Tomaten lieben einen Mix aus Brennnessel- und Beinwelljauche, der im Verhältnis 10 Wasser, 1 Jauche angemischt wird. Gedüngt oder gegossen wir grundsätzlich morgens. Die Brennnesseljauche liefert vor allem schnell verfügbaren Flüssigstickstoff und Beinwell wichtiges Kalium.

Tomaten Klimaführung
Tomaten lieben es trocken und warm. Daher muss im Gewächshaus ordentlich und regelmäßig gelüftet werden, sodass Feuchtigkeit aus dem Haus transportiert wird. Bei Tomaten hat sich die Längslüftung bewährt. Wer das mit seinem Gwh realsieren, sollte das auch machen. Sobald im Frühjahr die Morgensonne auf das Ghw scheint muss gelüftet werden, bevor Kondenswasser von den Wänden auf die Blätter tropft. Sind die Nächte warm > 12°C können Türen oder Lüftungsklappen durchgehend geöffnet bleiben. Eine Mulchung kommt einem trockenen Klima und einer gleichmäßigen Wasser- und Nährstoffversorgung zugute und ist unbedingt zu empfehlen. Als Mulchmaterial hat sich Stroh bestens bewährt, alternativ können schwarze Mulchvliese oder Rindenmulch verwendet werden.

Tomaten Pflegemaßnahmen
Ausgeizen bringt deutlich mehr Vorteile als Nachteile. Ausgeizen sollte man so früh wie möglich, wenn die Geiztriebe noch sehr klein sind, um die Verletzung der Tomatenpflanze möglichst klein zu halten. Damit die Wunde noch am gleichen Tag heilen (trocknen) kann, sollte nur vormittags an sonnigen Tagen gegeizt werden. Am besten alle zwei Tage nach neuen Geiztrieben schauen. Ist es eng im Gewächshaus ist das Entfernen der unteren Blätter sinnvoll, da so mehr Luft an die Füße der Pflanzen gelangt, was ein trockenes Fußklima entgegen kommt und Pilzkrankheiten vorbeugt. Dies wird iDR frühestens einen Monat nach Pflanzung notwendig. Blätter nach und nach entferen/ immer nur eins am Tag, um den Stress der Pflanze klein zu halten. So wenige wie möglich und maximal bis zur ersten Traube! Einzelne gelbe oder welke Blätter sofort entfernen, dabei grüne gesunde Teile des Blattstrangs an der Pflanze lassen! Mitte Juli sollte die Pflanzenspitze ausgeknipst werden, um das Höhenwachstum zu stoppen. Jetzt kann die Pflanze all ihre Kräfte auf die Entwicklung und Reife der übrigen Früchte konzentrieren. Ab diesem Zeitpunkt verstärkt auf neue Geiztriebe am Kopf der Pflanze achten und diese frühzeitig entfernen.

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